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Helfen Massagen bei der Regeneration oder sogar bei Muskelkater?

Sicherlich hat jeder schon mal die folgenden Bilder gesehen: Nach einem (Halb-)Marathon stehen zahlreiche Läufer direkt hinter dem Zieleinlauf in Schlangen und warten darauf, massiert zu werden- teilweise, um sich für die geleistete „Arbeit“ zu belohnen, teilweise um die Muskulatur zu entspannen und die Beweglichkeit zu erleichtern.

Aber warum und wie genau hilft eine Massage nach anstrengender sportlicher Tätigkeit und wann sollte sie durchgeführt werden?

Seit Jahrtausenden werden Massagen zur Regeneration nach körperlichen Anstrengungen angewendet. Schon im alten Rom wurden die Gladiatoren nach einem Kampf massiert, um sie für den nächsten fit zu machen. Die Idee dahinter: Die Durchblutung zu und von den Muskeln weg soll angeregt werden, damit leistungsmindernde Abfallprodukte besser aus den Zellen abtransportiert werden können.
Diese Vermutung wurde über die letzten Jahrhunderte unterstützt und vertieft, indem man davon ausging, dass durch eine Massage Milchsäure (Laktat) aus den Muskeln abtransportiert werden kann, von dem man dachte, dass es für die Entstehung von Muskelkater verantwortlich sei.
Dieser Gedanke wurde widerlegt, als Tests gemacht wurden, in denen deutlich wurde, dass Muskelkater nicht nur nach Ausüben von Bewegungen, bei denen viel Laktat, sondern vor allem bei Sportarten, bei denen wenig Laktat gebildet wird, zum Beispiel bei dem Krafttraining. Trainiert man hier den Bizeps, ist das bremsende Ablassen der Gewichte mehr für den Muskelkater verantwortlich, als das eigentliche Stemmen der Gewichte; beim Bremsen wird der kontrahierende Muskel gedehnt und hat deshalb eine stärkere Wirkung als das Anheben der Last, die konzentrische Bewegung.
Was den Muskelkater also verursacht, sind kleine Risse (Mikrorupturen) in den Muskelfasern, von denen es im Körper einige gibt!
Der menschliche Körper besteht aus über 300 Muskeln. Jeder dieser Muskeln besteht aus Tausenden von Muskelfasern. Diese wiederum bestehen aus einer Vielzahl sogenannter Myofibrillen, die die aktive Verkürzung (Kontraktion) eines Muskels ermöglichen, in dem zwei  parallel angeordnete Eiweiße (Aktin und Myosin) in den Z-Scheiben miteinander reagieren. Kommt es zu einer Überlastung, zum Beispiel bei ungewohnten oder zu vielen Bewegungen, treten in den Z-Scheiben kleine Risse auf, die das Gefühl des Muskelkaters hervorrufen.
Je nachdem, wie groß der Schaden an den Z-Scheiben ist, entscheidet der Körper, ob sich die Reparatur lohnt, oder ob die Muskelfaser ersetzt werden muss. Dafür teilen sich dort angesiedelte Satelliten-Zellen mit der Qualität von Stammzellen und füllen die entstandene Lücke.
Wenn man also bedenkt, dass die Zellen der Muskeln damit beschäftigt sind, verursachte Schäden zu reparieren und sich zu regenerieren, ist eine Massage während des Muskelkaters nicht hilfreich-vor allem nicht, um diesem entgegenzuwirken. Bei der Massage wird die Durchblutung angeregt und der Abtransport von Abfallstoffen angeregt- Vorgänge, die die verletzten Fasern abermals strapaziert und den Heilungsvorgang nur verzögert.

Wann nach extremer sportlicher Betätigung ist eine Massage also hilfreich?

Hier gehen die Meinungen der Wissenschaftler, Therapeuten und auch zum Beispiel der Marathonläufer auseinander: Während einige darauf schwören, die Muskeln direkt nach einem Lauf zu behandeln, um sie aufzulockern und die Regeneration anzuregen, sagen andere, dass die Muskeln ohnehin beansprucht genug sind, und sie eine Cooldown- Phase von ein bis zwei Tagen brauchen, bevor sie massiert werden sollten. Dabei geht es vor allem darum, dass die Beine direkt nach einem Lauf so stark durchblutet sind, dass eine Massage überflüssig wird und, mehr noch, die Gefahr steigert, dass an den beanspruchten, verhärteten Muskeln ernsthafte Verletzungen entstehen.

Auf der sicheren Seite ist man auf jeden Fall, wenn man mehrere Tage nach einem sportlichen Event den Massagetherapeuten aufsucht und ihn sofort wissen lässt, welche Arbeit der Körper geleistet hat. Daraufhin kann während der Massage der mecha­ni­schen Druck auf Muskeln, Sehnen, Bänder und Fas­zien genau in der richtigen Stärke ausgeübt werden. Letztgenannte umhüllen den Muskel, halten ihn in seiner Form und werden bei einer Massage gedehnt, was zu einer Lockerung des Muskels führt.
Vor allem in der Regenerationsphase können Massagen den Muskelschmerz dadurch lindern und außerdem die Ausbreitung bereits vorhandener Entzündungen bremsen, weil bei einer Massagebehandlung die Anzahl der Lymphozyten gesteigert wird- diese sind die weißen Blutkörperchen, die bei der Bekämpfung von Entzündungen maßgeblich beteiligt sind. Abgesehen davon wird die Ausschüttung des Stresshormons Kortisol gehemmt.
Auch wenn die Forschung auf diesem Gebiet noch einiges an Arbeit zu leisten hat, lässt sich nicht abstreiten, dass sie sich positiv auf Muskeln, Körper und Gemüt auswirkt.

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